2500 Euro vom Soroptimist Club Traunstein für Laptops an die Franz von Sales-Heimvolksschule Niedernfels

Die Summe von 2500 Euro spendete die internationale Frauenorganisation Soroptimist, Club Traunstein, für die aktuell in der Corona-Krise dringend benötigten 15 Laptops an das Pädagogische Zentrum Schloss Niedernfels in Marquartstein (wir berichteten). Schulleiter Christian Auer (zweiter von rechts) freute sich über die großzügige Spende, die so zeitnah und unbürokratisch erfolgen konnte. Nicht nur der Soroptimist Club hatte prompt reagiert, sondern auch Ingo Straßer (rechts) von der Firma Skool aus Übersee, die auf die Erfordernisse der „digitalen Klassenzimmer“ spezialisiert sind. Straßer hatte gute Laptops, Messerückläufer der Firma Terra besorgen können und gab sie zum Einkaufspreis weiter. Der Schulchef erklärte, dass in der Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge in Niedernfels neben Schule, Hort, Internat und heilpädagogischer Tagesstätte auch mehrere Jugendwohnhilfegruppen rund um die Uhr auch in Corona-Zeiten beherbergt sind, die von den Jugendämtern aus dem gesamten südostbayerischen Raum zugewiesen werden. Besonders für sie ist das Arbeiten und Lernen an den schuleigenen Laptops notwendig. Insgesamt besuchen derzeit rund 235 Schüler die Einrichtung. 118 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Unser Foto zeigt (von links) bei der Geldübergabe die beiden Schüler Leon aus der 8b und Laurenz aus der 9. Klasse sowie daneben die Präsidentin des Soroptimist Club Hedwig Amann und Schatzmeisterin Anne Lindenberg. gi/Foto: Giesen

 

Internationaler Frauentag in Traunstein 2020 - "Ein Weib - ein Wort"

Menschenhandel mit Frauen: „Die Opfer sprechen nicht mit uns“

Diskussionsveranstaltung des Club Soroptimist im Kulturzentrum

 

Traunstein. Zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ veranstaltete der Soroptimist International Club Traunstein eine gut besuchte Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Frauen und Mädchen als Opfer von Menschenhandel“. . Unter der Schirmherrschaft von Konstanze Reichert-Kegel gab es im Kulturzentrum am Stadtpark zwei Impulsreferate, eingeleitet von einem auf Video übertragenen Grußwort der Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Bärbel Kofler.

Eindrucksvoll sprach Monika Cissek-Evans, Leiterin der Fachberatungsstelle JADWIGA, München, über die unvorstellbar vielen Fälle von Menschenhandel, um Frauen und möglichst sehr junge Mädchen sexuell auszubeuten und zur Prostitution zu zwingen. Häufig sprechen die Frauen weder deutsch, noch wissen sie in welchem Land sie sich befinden, da die Täter für neue „Arbeitsorte“ auch in verschiedenen Ländern sorgen. Oft werden der Frau sämtliche Papiere abgenommen, und sie wird mit mangelnder medizinischer Versorgung in unzumutbaren Unterkünften untergebracht, wo sie ihre unkontrollierbaren „Schulden beim Arbeitgeber“ abarbeiten muss. JADWIGA betreibt acht Frauencafes im Asylbereich, wo die Mitarbeiter am leichtesten diesen Opfern begegnen und ihnen Hilfe anbieten können. Häufig werden die jungen Frauen auch zum Betteln gezwungen, wobei ihnen Kinder mitgegeben werden, die meistens nicht ihre eigenen sind. Eine wirksame Methode sei es auch, den sexuell missbrauchten Frauen wenig zu essen zu geben, zum Beispiel nur einmal am Tag zu einem unbekannten Zeitpunkt, um sie so gefügig zu machen.

„Ich will Handschellen sehen“, sagte Dr. Martin Freudling, Oberstaatsanwalt am Landgericht Traunstein und Leiter des Dezernats zur Bekämpfung organisierter Kriminalität. Während sich die Mitarbeiterinnen von JADWIGA sehr einfühlsam und vorsichtig den Frauen nähern, erläuterte Freudling die notwendigerweise knallharte Vorgehensweise der Strafverteidiger. Um einen der Menschenhändler vor Gericht zu stellen und bestrafen zu können, sei die Aussage der Frauen meistens der einzige wirksame Beweis. Das größte Problem aber sei, „die Opfer reden nicht mit uns“, denn der Druck und die Angst vor den Tätern seien viel größer als der vor Polizei und Justiz. Wenn es die Richter schafften, die Opfer zum Reden zu bekommen, sei aber der Druck bei der Hauptverhandlung durch die Strafverteidiger deutlich höher. „Die Vernehmung bei uns ist sehr freundlich, vor Gericht aber wird es hart“, so Freudling. Deshalb komme bei vielen Fällen so wenig heraus. Hinzu komme nämlich oft die Ächtung der aussagebereiten Opfer im eigenen sozialen, das heißt ethnischen Umfeld. Für eine Frau – die sich schon aufgrund ihrer Erziehung selbst für gering erachtet – ist es oft undenkbar, einen Mann, eventuell aus der eigenen Sippe, anzuzeigen und damit für Jahre ins Gefängnis zu bringen. Den Tätern, das heißt den wirklichen Strippenziehern auf die Spur zu kommen, sei nur sehr sehr schwer möglich. Die lernten bei jeder Verhandlung hinzu. Heutzutage finde man bei Tätern kaum mehr die Pässe der Frauen, die natürlich ein Beweismittel wären. Die Spuren der Drahtzieher würden von Anfang an akribisch verwischt, zum Beispiel nur einmal mit einem Handy telefoniert und dann gleich entsorgt. „Bei 400 Anrufen wird 300 Mal die Nummer gewechselt“, so Freudling. Er bedauerte, dass es zwar technische Möglichkeiten gäbe, zum Beispiel Whats Apps zu verfolgen, was aber nicht erlaubt sei.

Länderübergreifende Strafverfolgung

Bei der Diskussion wollte ein Zuhörer wissen, weshalb so wenige Polizisten eingestellt würden. Dem widersprach der Oberstaatsanwalt. Die Polizeipräsenz gerade an den Ostgrenzen sei sehr stark. Seine eigene Stelle sei erst vor gut einem Jahr geschaffen worden, um auch länderübergreifend die Strafverfolgung bei Menschenhandelsdelikten verfolgen zu können. Kriminalhauptkommissarin Karin Wagner vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd als Beauftragte für Kriminalitätsopfer sagte, dass auch deutsche Zwangsprostituierte oft nichts aussagen, wenn sie die so genannten „Lover-Boys“ (spiegeln anfangs Liebe vor, um die Frauen dann sexuell auszubeuten) hinter Gitter bringen sollen. Auf die Feststellung Dr. Freudlings, dass die Opfer auch mit Dolmetscher oftmals kaum sprachlich in der Lage sind zu beschreiben, was und wo mit ihnen passiert sei, nahm die Mitarbeiterin einer Traunsteiner Hilfsorganisation Stellung. „Traumatisierung geht aufs Sprachzentrum“, sagte sie. Die Frauen nähmen tatsächlich psychisch gar nicht mehr wirklich wahr, was mit ihnen passiert und auch viele Deutsche könnten deshalb schon nicht gerichtlich verwertbar aussagen.

Ein Lichtblick sei das neue Prostituiertengesetz, denn danach müssen alle Prostituierten angemeldet werden, sagte Monika Cissek-Evans, so dass man jetzt eine bessere rechtliche Handhabe zur Strafverfolgung habe. Für besonders wichtig hielt sie den Blick auf die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die auch unterwegs schon oft zu Prostitutionszwecken weiterverkauft werden. Christiane Giesen

 

 

Pressespiegel

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